Tagesgedanken



Tagesgedanken
Mittwoch, den 21. Dezember 2011 um 22:05 Uhr

Hallo, liebe Autoindustrie, jetzt aber bitte mal aufgepaßt! Ich habe eine

Super-Idee für euch, eine flächendeckende Innovation für alle Typen und

Modelle, ein Wachstumsschub, der andere Branchen vor Neid

erblassen lassen wird.

Dabei ist die Sache weder kompliziert noch aufwändig. Ihr installiert ganz

einfach vorne in der Mitte des Kühlers von euren Autos ein grünes Licht,

genau zwischen den beiden Scheinwerfern und Blinkleuchten. Und dieses

Licht ist schlicht und einfach dazu da, den anderen Verkehrsteilnehmern zu

signalisieren, daß man ihnen den Vortritt läßt. Steht beispielsweise ein Fußgänger

wartend am Zebrastreifen und sieht das grüne Licht auf der Schnauze eines nahenden

Autos, dann weiß er, der bremst ab und läßt mich die Straße überqueren. Er muß

nicht erst bange beobachten, ob der Fahrer wirklich bremst, und er muß nicht rätseln,

wie die Lichthupe, die da vielleicht betätigt wird, gemeint sein könnte. Denn die Lichthupe

kann sowohl "Ich laß dich!" als auch "Laß mich!" bedeuten. Dieses neuartige grüne Licht wäre

dagegen das erste und bisher einzige eindeutig freundliche, sozial intelligente Signal, das von

Autos ausgehen könnte.

Es müßte technisch so gestaltet sein, daß man es nicht dauerhaft anschalten kann (und möglicher-

weise vergessen, was gefährlich werden könnte). Wie die Hupe müßte es nur so lange aktiviert sein,

wie der Fahrer aktiv drauf drückt, aber eben nicht zum warnen und schimpfen, sondern zum ermutigen

und "Bitte sehr, Sie sind dran!" sagen. Auch wenn es ein bißchen übertrieben klingt, schlage ich vor, dem

Ding einen zündenden, griffigen und vielleicht pädagogisch wertvollen Namen zu geben: Liebes-Hupe.

 

edr rtr annihr sed dr

 
Tagesgedanken
Donnerstag, den 15. Dezember 2011 um 20:54 Uhr

"O seht in der Krippe.....in reinlichen Windeln das himmlische Kind,

viel schöner und holder, als Engel es sind", heißt es in der zweiten Strophe

von "Ihr Kinderlein kommet". In reinlichen Windeln! Ist das nicht ein Knüller?

Bei Jesus war nicht nur die Empfängnis unbefleckt, sondern auch die Windeln.

Schöner und holder als Engel kann man in voll geschissenen Windeln allerdings

auch kaum sein.

Bei Engeln kann man sich eigentlich überhaupt nicht vorstellen, daß sie aufs

Klo gehen. Und bei Jesus? Warum hat er die reinlichen Windeln denn überhaupt angehabt?

Das Lied könnte ja auch sagen"es braucht keine Windeln, das himmlische Kind....".

Vielleicht wollten seine Eltern beweisen, daß ihr Sohn schon als Baby ein kleines

Wunder vollbrachte.

 

 

 
Tagesgedanken
Montag, den 21. November 2011 um 22:52 Uhr

Homo loquax,

der geschwätzige Mensch, oder, falls ich da noch nicht mit meinem Latein am Ende

bin, homo loquiens (?) - der redende Mensch. Weniges scheint mir für den Mensch

der Gegenwart so kennzeichnend wie das viele reden. Der Mensch, glaube ich, redet

nämlich taftäglich viel mehr, als zur Klärung von Sachverhalten, zur Lösung von Problemen und

Meinungsverschiedenheiten und zur Koordinierung von planvollen Handlungen notwendig wäre.

Es gibt viel fragwürdige Motivation fürs Reden: die selbstgefällige Spiegelung, das sich Festhalten

an irgendeinem Standpunkt, die Flucht vor dem, was ist, in das, was man sagt, das sich Hineinsteigern

in beliebige Aufregungen und Emotionen, das sich Herablassen von der höheren Warte dessen, der den

Überblick hat und Menschen und Dinge, Szenerien und Meinungen bewertet.

Warum fällt erwachsenen Mesnchen, wenn sie gesellig zusammenkommen, selten etwas anderes ein, als zu

reden? Warum sind wir so arm an anderen Möglichkeiten der Kommunikation und kommen kaum auf die

Idee, das oft so schleppende, belanglose, selbstgefällige, witzlose Gerede zu vermeiden und zu ersetzen durch

Tanzen, Musizieren, Theater spielen, körperlich sein?

 

 
Tagesgedanken
Dienstag, den 29. November 2011 um 19:45 Uhr

Dialogannahme 1,2 und 3 - so heißen drei Boxen in meinem Autohaus, und

heute habe ich mein Auto vor die "Dialogannahme 2" gefahren, um für eine fällige

Inspektion einzuchecken. Ach, ich wußte ja, daß die Verheißung, die für mich in dem

Begriff "Dialogannahme" aufklang, sich nicht erfüllen würde. Denn was folgte, war ein

Gespräch über mein Auto mit einem Vertreter des Autohauses. Dieser Dialog war strukturell

stark geprägt durch sein Bestreben, mir klar zu machen, daß die Kosten ziemlich hoch sein würden,

und durch meine eher halbherzigen und kleinlauten Versuche, sie vielleicht doch noch etwas zu

drücken.

Bei mancher Audienz beim Papst mag es dialogischer zugehen als in an diesem Schreibtisch. Oder

eigentlich war es ein bißchen wie eine Audienz. Denn während ich den Automann anschaute (in ungeduldiger

Erwartung, mit dem Abliefern zur Inspektion endlich fertig zu werden) schaute der Automann in seinen Bildschirm,

der wie Gott war, und von dem ich, was bei Gott vielleicht gar nicht so schlecht ist, nur die Rückseite sah.

Der Automann entnahm dem fast allwissenden Bildschirm immer neue Fragen an mich: Wischerblätter austauschen?

Getriebeölwechsel? Frostschutz? Letzte Inspektion versäumt? TÜV auch bald fällig! usw.

Der freie und ergebnisoffene Meinungsaustausch selbstbestimmter Subjekte - daß solche "Dialoge" überall angenommen und

möglich gemacht werden, wäre eine gesellschaftliche Utopie. Das Gespräch im Autohaus hatte davon aufgrund seines knallharten

materiellen Bezugs nicht viel, aber wer wollte es den Autohaus-Leuten verdenken, daß sie diese Sache nicht "Kostenhochtreibungsbude"

sondern "Dialogannahme" nennen?

 

 

 

 
Tagesgedanken
Sonntag, den 20. November 2011 um 18:10 Uhr

Fror unlängst bei Minusgraden an einer Bushaltestelle vor Frankfurts Hauptbahnhof volle zehn Minuten

mit bald zwanzig anderen Passagieren in spe, obwohl der beheizte Bus schon etwa 50 Meter entfernt

auf der anderen Seite des Vorplatzes stand. Der Fahrer saß zwar drinnen, doch er bestand auf seiner planmäßigen "Pause"

von soundsoviel Minuten. Wofür auch immer er die Pause nutzen wollte, vielleicht lesen, essen, Musik, hören oder nachdenken -

er wollte es jedenfalls ohne Fahrgäste im Bus tun.

Kann hier nicht das Verfassungsgericht eine Abwägung treffen und uns sagen, was schwerer wiegt: das Recht eines einzelnen

Busfahrers auf eine lupenreine, arbeits- und störungsfreie Pause, oder das Recht von zwanzig Fahrgästen, sich bereits vor dem

Beginn der Busfahrt ein wenig aufzuwärmen (wobei ja die Behelligung des Fahrers auf ein Minimum reduziert werden könnte)?

 

 
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